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Völli bleibt! Flächenfraß stoppen!


Ein Urwald direkt vor der Haustür! Nur ca. 17 km von der Hamburger Innenstadt entfernt, liegt im Süden der Vollhöfner Wald. Mehrere hundert Menschen haben das Biotop zwischen Vollhöfner Weiden und Alter Süderelbe im Rahmen der Sonntäglichen Waldspaziergänge bisher besucht. Viele sind überrascht von dem unberührten Naturidyll, das sich in knapp 60 Jahren auf einem ehemaligen Spülfeld entwickelt hat – ganz ohne den Eingriff des Menschen. Auf dem rund 45 Hektar großen Gebiet haben viele seltene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gefunden. Doch dieser Pionierwald ist bedroht. Das Gelände des Waldes gehört zum Hafenerweiterungsgebiet und hier sollen zukünftig Logistikhallen stehen. Dafür sollen die ca. 30.000 Bäume gefällt werden. Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald fordert den Hamburger Senat und die HPA (Hamburg Port Authority) auf, die Pläne zur Abholzung des Waldes zu stoppen und den Wald dauerhaft unter Schutz zu stellen. Nachdem im Herbst 2019 Aktivits*innen sich mit einem Baumhaus medienwirksam für den Erhalt des Waldes einsetzten, ist das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Waldspaziergänge der Klimaschutzinitiative wurden durch Kundgebungen am Eingang zum Wald ersetzt.

Ihr wollt etwas tun?

1.) Dann unterschreibt die Protestmail an den Ersten Bürgermeister auf www.voellibleibt.de.
2.) Tragt Euch in den Newsletter ein und schaut auch bei Facebook, Twitter oder Telegram vorbei um über alle "Völli bleibt" Aktionen informiert zu sein.
3.) Ihr möchtet uns finanziell unterstützen und damit noch mehr Aktionen möglich machen? Informationen zu unserem Spendenkonto findet ihr hier.


Termine


Freitag 25.9. Globaler Klimastreik

Ab 14 Uhr an drei verschiedenen Startpunkten: Busbahnhof Altona, Lombardsbrücke, Berliner Tor.
weitere Infos (FFF HH)


Sonntag 27.9. Raddemo gegen Flächenfraß

Ab 12 Uhr vom Völli zum Neuland 23 mit Zwischenstopp am Bostelbeker Moor
weitere Infos unten



Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald ruft am 27.09.2020 zu einer Fahrraddemo gegen Flächenfraß auf.

Trotz der sich beschleunigenden Klimakrise, trotz des drastischen Verlusts an Biodiversität und trotz der dringenden Notwendigkeit, die letzten Moore als CO2-Speicher zu erhalten, werden auch in Hamburg weiter Naturflächen in großem Umfang bebaut und versiegelt.

Die Bodenversiegelung in Hamburg durch Straßen und Gebäude beträgt mittlerweile 39% der Gesamtfläche, und sie hält unvermindert an. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei unter 30%, Anfang der Achzigerjahre bei etwas über 20%. Versiegelung bedeutet: Der Boden wird dem Austausch zwischen Erdreich und Atmosphäre entzogen, die natürlichen Funktionen der Böden werden vollständig zerstört. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, sondern auch aufs Ökosystem bis hin zum Stadtklima. Flächenversiegelung ist obendrein nur schwer und unter hohen Kosten rückgängig zu machen, geschweige denn „auszugleichen“: Ein jahrhundertealtes Torfmoor lässt sich nicht umsiedeln, sondern geht ersatzlos verloren.

Die größten unversiegelten Flächen finden sich heute in Hamburg noch südlich und östlich der Elbe – und das weckt Begehrlichkeiten bei Industrie und Bauwirtschaft. Denn es erscheint allemal einfacher, eine weitere Naturfläche plattzumachen, als sich mit aufwändigem Flächenrecycling zu beschäftigen – auch wenn dies nicht nur in ökologischer Hinsicht der bessere Weg wäre.


Wir wollen zwei besonders drastische Beispiele für Flächenfraß im Süderelberaum aufsuchen und rufen zur Fahrraddemo auf:

Wir treffen uns am Vollhöfner Wald, der weiterhin Eigentum der HPA und leider noch kein Naturschutzgebiet ist.

Auf dem Weg nach Neuland halten wir am Bostelbeker Moor und protestieren gegen die nicht mehr zeitgemäße Trockenlegung und Bebauung der Moores durch Daimler.

Am Ort der Abschlusskundgebung in Neuland finden wir eine von der Stadt Hamburg „entwickelte“ Industriefläche vor.


1. Bostelbeker Moor

Nahe dem Daimler-Werk an der A7 liegt ein 20 ha großes und zwei Meter mächtiges Niedermoor, das zahlreichen streng geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gibt und eigentlich einen besonders hohen Schutzstatus genießt. Die Bezirksversammlung Harburg hat dennoch mit rot-grüner Mehrheit der Vernichtung des Moores für ein Daimler-Logistikzentrum zugestimmt.

Um nach dieser Entscheidung noch in den Spiegel schauen zu können, betreibt man ein wenig Greenwashing: Das Werk soll „klimaneutral“ erweitert werden und bekommt eine Photovoltaikanlage sowie ein grünes Dach. Ob darauf die vertriebenen Pflanzen und Tiere angesiedelt werden sollen, ist nicht bekannt …

Zeigen wir vor Ort lautstark, was wir von diesen Plänen halten!


2. Neuland 23

Auch in Neuland gab es bis vor Kurzem noch ein unberührtes Moorgebiet, heute liegt dort eine riesige Sandwüste, auf der sich seit Längerem nichts mehr bewegt hat. Nachdem die Stadt eine acht Meter mächtige Torfschicht abgetragen und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten für einen Gewerbe„park“ vernichtet hat, ist leider der Investor abgesprungen – ohne dass irgendwer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann.


Neuland 23 soll eines von 19 „Klima-Modell-Quartieren“ werden – so werden neuerdings geplante Flächenfraß-Projekte genannt, die ein wenig grün aufgehübscht sind. Angesichts der enormen Bedeutung gerade von Mooren als Kohlenstoffsenken, aber auch als vielfältigen Lebensräumen, ist das zynisch und empörend.


Schluss mit dem Flächenfraß in Hamburg und anderswo!

Für den unbedingten Erhalt noch bestehender Naturflächen!



Für den Erhalt der Altenwerder Wildnis!


Redebeitrag auf der Kundgebung der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald vor der Altenwerder Kirche am 13.09.2020


Wir, die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald, setzen uns seit mehr als einem Jahr (und teilweise auch schon viel länger) für den Erhalt dieses vergessenen Waldes ganz im Westen von Altenwerder ein: an der Straße Vollhöfner Weiden, am heutigen Ende der Alten Süderelbe, wo seit langem ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen ist und Hallen für die Hafenlogistik entstehen sollen. Nachdem wir jede Woche demonstriert haben, nach viel Öffentlichkeitsarbeit, nach zahlreichen Waldspaziergängen, Fernsehberichten, sogar einer Baumbesetzung haben wir einen wichtigen Etappensieg erreicht: Die neue Regierungskoalition hat in ihren Koalitionsvertrag hineingeschrieben:


Die Koalitionspartner vereinbaren, dass die Flächen der Vollhöfner Weiden in Altenwerder-West nicht für eine Hafennutzung in Anspruch genommen werden.“


Das ist ein schöner Erfolg und hat bisher verhindert, dass die einmalige Wildnis im Vollhöfner Wald der Abholzung zum Opfer fällt. Aber der Haken an der Sache folgt sogleich (ich zitiere wieder aus dem Koalitionsvertrag):


Stattdessen sollen andere Flächen in entsprechender Größe für die Hafennutzung aktiviert werden, zum Beispiel die bislang hafenwirtschaftlich nicht genutzten Flächen nördlich und westlich des Containerterminals Altenwerder (…) Sobald Flächen in entsprechender Größe im Bereich des Containerterminals Altenwerder oder an anderer Stelle für eine hafenwirtschaftliche Nutzung aktiviert wurden, werden die Flächen der Vollhöfner Weiden aus dem Hafengebiet herausgenommen und unter Naturschutz gestellt.“


Also: Erst wenn woanders Flächen, die bisher noch keine gewerblich genutzten Flächen waren, das heißt Naturflächen, für die Hafennutzung bebaut und versiegelt worden sind, erst dann kann man wirklich sagen: Der Völli ist gerettet.


Das bedeutet letztlich: Hier sollen Naturschutzinteressen an einer Stelle gegen solche an einer anderen Stelle ausgespielt werden! Nicht nur im Vollhöfner Wald, wo sich seit den Sechzigerjahren eine unberührte Wildnis entwickeln konnte, auch hier, nördlich und südlich der Kirche und entlang der Bullerrinne im Norden, hat sich die Natur seit der Entvölkerung Altenwerders vor vierzig Jahren nach und nach ein Gebiet zurückerobert, in dem zahlreiche Vögel, Amphibien und andere Tiere leben und das von vielen Menschen als Naherholungsgebiet genutzt wird.


Bitte schaut euch mal um: Wenn hier bis auf Kirche und Friedhof alles unter meterhohem Sand verschwindet, so wie vor zwanzig Jahren der größte Teil Altenwerders, ist nicht nur eine weitere Naturfläche unwiederbringlich verloren, sondern auch fast der letzte Rest sichtbarer Erinnerung an ein achthundertjähriges Dorf.

Das wirklich Absurde daran ist: Diese Flächen werden überhaupt nicht benötigt. Der Hafen hat ganz andere Probleme als zu wenig Platz. Die jahrzehntelange Ausdehnung des Hamburger Hafens nach Süden, die der Logik des stetigen Wachstums folgte, ist am Ende. Seit 2007, seit der Finanzkrise, ist der Containerumschlag nicht mehr weiter gewachsen, und es besteht Grund zu der Annahme, dass er eher zurückgehen wird.


Wenn man sich die Studie über Die Zukunft des Hamburger Hafens anschaut, die der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Prof. Dr. Henning Vöpel, im April 2020 erstellt hat, dann muss man ganz klar sagen: Weitere Wachstumserwartungen sind heute völlig unrealistisch.


Dafür benennt Prof. Vöpel verschiedene Gründe:
- Der Welthandel schwächt sich allgemein ab, die Hochphase der Globalisierung ist vorüber.
- Das weltwirtschaftliche Wachstum wird sich verringern, nicht nur aufgrund der Corona-Krise.
- Die globalen Handelsströme laufen zum Teil anders und an Hamburg vorbei.
- Der Hafenwettbewerb hat sich verschärft und der Hamburger Hafen hat gravierende Wettbewerbsnachteile, zum Beispiel die Lage im Binnenland. Nicht umsonst hat der Wirtschaftssenator kürzlich den Gedanken einer norddeutschen Hafenkooperation ins Spiel gebracht, der sich Hamburg jahrzehntelang verweigert hat.


Hinzukommt: Wenn Hamburg es mit seiner Klimapolitik wirklich ernst meint, wenn also der Hamburger Klimaplan bis 2050 eingehalten werden soll, dann darf der Hafen gar nicht mehr weiter wachsen. Denn dann müsste dieses Wachstum, dann müsste die Vernichtung weiterer Naturflächen, dann müsste das Verfehlen der CO2-Reduktionsziele im Hafen woanders in der Stadt kompensiert werden – und dafür fehlt der Politik bis heute jeglicher Ansatz. Das lässt sich nämlich mit ein paar neuen Radwegen und Windrädern allenfalls symbolisch ausgleichen.


Warum lässt man die Suche nach neuen Hafenflächen dann nicht einfach bleiben, erhält die Altenwerder Wildnis, die wir hier sehen, und stellt den Völli endlich unter Naturschutz?


Das hat einerseits sicherlich mit den Kräfteverhältnissen in der Hamburger Politik zu tun: Die Beharrungskräfte derjenigen, die am liebsten das bisherige Wirtschafts- und Profitmodell noch eine Weile so weiter betreiben würden, auch wenn aus wirtschaftlichen und aus Klimaschutzgründen alles dagegen spricht, sind enorm.


Es hat aber auch mit einer Naturauffassung zu tun, die der Natur immer nur zwei Zwecke zuweist: bestenfalls den der Erholung für den Menschen, meistens aber den, Materiallieferant oder kostenloser Ausdehnungsraum für neue Bauprojekte zu sein.


Maja Göpel hat diese Auffassung sehr schön in die Frage gefasst, die der natürlichen Umgebung normalerweise entgegengebracht wird: „Lässt es sich wertbringend nutzen? Oder kann es weg?“


Diese Auffassung hat meines Erachtens keine Zukunft. Wir müssen zum Schutz des Klimas, zum Erhalt der Biodiversität, letzten Endes auch für den Erhalt guter Lebensbedingungen für alle die verbleibenden Reste nicht versiegelter Natur unbedingt schützen und bewahren, auch in der Stadt. Wir können es uns nicht mehr leisten, weiterhin Wohlstand vor allem durch Wachstum zu erreichen, das heißt: durch Naturzerstörung. Das Konzept Wachsende Stadt gerät auch hier an seine Grenze.


Die Regierungsparteien im Hamburger Senat haben in ihrem Koalitionsvertrag auch vereinbart, in Zukunft nicht mehr so verschwenderisch mit Flächen umzugehen wie bisher. Zitat: „Die Koalitionspartner setzen auf den Erhalt unversiegelter Flächen und naturnaher sowie klimarelevanter Böden. (…) Die Koalitionspartner setzen sich für den vorsorgenden Schutz der Böden als natürliche Ressource ein.“


Nehmen wir sie also beim Wort: Hier im Altenwerder Kirchtal, im Vollhöfner Wald, im Bostelbeker Moor, wo Daimler ein ganzes Moor trockenlegen will, am Wilden Wald in Wilhelmsburg, in Billwerder und auch anderswo in Hamburg bietet sich die Gelegenheit, unversiegelte Naturflächen zu erhalten und unter Beweis zu stellen, dass der Koalitionsvertrag mehr ist als heiße Luft!


Vielen Dank!




Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald fordert:
Keine Öffnung der Alten Süderelbe, in keiner Variante!


Seit 2016 wird vom sogenannten „Forum Tideelbe“, einem moderierten Dialogprozess der drei Anrainerländer sowie des Bundes, nach Mitteln gegen die Auswirkungen der stetigen Elbvertiefungen und Abdeichungen der Unterelbe gesucht.


Konkret: Es geht darum, der kaum noch beherrschbaren Verschlickung des Hamburger Hafens und der wachsenden Sturmflutgefahr zu begegnen, und zwar mit „Strombau-Maßnahmen“, die (so die vollmundige Zielbeschreibung des „Forums Tideelbe“) „eine nachhaltige Entwicklung der Tideelbe fördern. Insbesondere unter Beachtung von hydromorphologischen, gewässerschutz- und naturschutzfachlichen Gesichtspunkten sowie regionaler Betroffenheiten“.


Nach fünf Jahren Anhörungen, Begutachtungen, Diskussion und der Erörterung von insgesamt 23 Einzelprojekten sind einzig die Öffnung der Dove-Elbe und der Alten Süderelbe als aussichtsreiche Maßnahmen übriggeblieben. Bei den Anliegern der Dove-Elbe ist der Widerstand dagegen massiv – aus gutem Grund, denn die geplante Öffnung hätte die weitgehende Zerstörung eines seit den Siebzigerjahren gewachsenen Naherholungsgebietes zur Folge.


Was ist für die Alte Süderelbe geplant?


Die Verfasser der „Machbarkeitsstudie“ sind wenigstens ehrlich: „Das gesamte Gebiet wird in seiner naturnahen Anmutung für Jahre … ein eher technisches Erscheinungsbild aufweisen (Deiche, Verwallungen, Spundwände, …)“. 


Klar ist: Die Wirksamkeit der Maßnahmen gegenüber den Sedimentablagerungen im Hafen ist wahrscheinlich eher gering. Selbst den Zielen des „Forums Tideelbe“ widerspricht dieses Vorhaben: Weder fördert es eine nachhaltige Entwicklung der Tideelbe, noch beachtet es naturschutzfachliche Gesichtspunkte oder regionale Betroffenheiten. Stattdessen ist es ein zerstörerischer technischer Eingriff in ein bestehendes Ökosystem.


Und die Ursache des Problems liegt nicht in Finkenwerder, sondern besteht in einer rücksichts- und sorglosen Baggerpolitik, für die in den vergangenen Jahrzehnten nur eines zählte: noch größere und noch breitere Schiffe in den Hamburger Hafen zu holen, allem ökologischen Sachverstand zum Trotz.


Diese Hafenpolitik ist an ihr Ende gekommen, wie eine Studie des HWWI-Direktors kürzlich gezeigt hat: Die Hafenwirtschaft unterliegt einem grundlegenden Strukturwandel, die Hoffnung auf immer weiter wachsende Umschlagsmengen und immer größere Schiffe hat sich zerschlagen. Selbst Wirtschaftssenator Westhagemann spricht inzwischen von der Notwendigkeit einer norddeutschen Hafenkooperation.


Weshalb dann nicht das Problem an der Wurzel packen und als ersten Schritt die laufende Elbvertiefung bleiben lassen?


Wir fordern:

Keine Wiederanbindung der Alten Süderelbe an das Tidegeschehen!

Kein Eingriff in das gewachsene und funktionierende Ökosystem!

Sofortiger Stopp der Elbvertiefung!





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